“Schlesier Weg”

Von | 1. Juni 2013, 16:30 Uhr | Ein Kommentar | Geschichte | Tags:

Im Weyher Ortsplan findet sich immer noch der „Schlesier Weg“, eine Verbindung von der Rumpsfelder Heide zum Böttcher Moor. Ein kleiner Weg, an dem längst kein Haus mehr steht und vor einigen Jahren eine der ersten „Benjes Hecken“ der Gemeinde angelegt wurde. Längst vergessen ist die Geschichte dieses Weges. Warum nannte man ihn „Schlesier-Weg“?

1982 entstand das Foto vom Ehepaar Eichler, die hier noch in einem kleinen Behelfsheim wohnte. Eichlers fühlten sich offensichtlich wohl, abseits von großen Straßen und dichten Siedlungen. Die Gemeinde hatten ihnen bereits mehrmals anderen Wohnraum angeboten, doch sie wollten hier bleiben, bis ihre Gesundheit es nicht mehr zuließe.

1949 durften hier drei Baracken aufgestellt werden, um Heimatvertriebenen aus Schlesien provisorischen Wohnraum zu geben. Arthur Eichler und seine Ehefrau Rosalie waren dabei und kauften eine Flakbaracke auf Abriss, die am Weißen Moor in Leeste-Hagen stand. Die bauten sie hier wieder auf und richteten sich ihr neues bescheidenes Heim nach ihren Wünschen ein. Ein kleiner Garten gehörte schon immer dazu und war gerade in der Nachkriegszeit eine wichtige Versorgungsquelle.

„Unruhe brachten nur hin und wieder Jugendliche mit ihren Mopeds, die auf dem kleinen Weg Geländerennen veranstalteten“, erinnerten sich die beiden. Ach ja, „und manchmal schlug der Blitz in den Strommast bei ihrem Häuschen ein, ohne aber nennenswerten Schaden anzurichten“.

Foto: W. Meyer

Über den Autor

Wilfried Meyer

Wilfried Meyer widmet sich seit 1977 in seiner Freizeit der Weyher Ortsgeschichte und ist seitdem ehrenamtlicher Archivar. Neben seinen zahlreichen Diavorträgen veröffentlichte er Artikel in der regionalen Presse und verfasste mehrere historische Bildbände, die er selbst gestaltet und über einen eigenen Verlag vertreibt. Themen sind: Umwelt, Hache, Luftbilder, Baudenkmalpflege, Eisenbahn und Weyher Ortsgeschichte.

Dieser Beitrag wurde 3.313 mal gelesen.

Ein Kommentar

  1. Marion (20. September 2014)

    Guten Tag,

    auf der Recherche nach meinen Vorfahren bin ich auf diese Seite gestoßen und ich bekam tatsächlich Pipi in den Augen und es wurden Kindheits- und Jugenderinnerungen wach.

    Bei dem Ehepaar handelt es sich um meine Urgroßeltern. Wir kamen regelmäßig aus dem Harz und besuchten sie.

    Wenn das Foto tatsächlich 1982 gemacht wurde, ist es eins der letzten (oder vielleicht sogar das letzte) Foto, auf dem die beiden gemeinsam drauf sind, denn mein Urgroßvater starb im Winter 1982. Meine Uroma lebte noch eine Weile alleine dort – wie lange, weiß ich gar nicht genau – Mitte der 80er war sie im Altenheim. Danach wurde die Baracke abgerissen. Ich war dann nochmal dort, wo das kleine Häuschen einst stand und es blühten Oma’s Lampionblumen, die mich als Kind immer fasziniert hatten.

    Meine Urgroßeltern führten ein bescheidenes und einfaches Leben. Eine sanitäre Anlage gab es bis zum Schluss nicht. Es existierte nur ein Plumpsklo.

    Vielen Dank an den Autor für die Erinnerungen!

Kommentare


+ sieben = 10

© 2012 Karl-Heinz Heidtmann