Böttchers Moor

Von | 21. Februar 2012, 08:36 Uhr | Ein Kommentar | Geschichte | Tags:

Er hat viele Namen, dieser idyllisch gelegene, kreisrunde See zwischen Lahausen, Melchiorshausen und Leeste. Er ist ein Schlatt, entstanden nach der letzten Eiszeit. Diese Art Gewässer werden nur von Regenwasser gespeist und haben eine fast undurchlässige Bodenschicht.

Auf der amtlichen Karte heißt er „Großes Moor“. Im Volksmund zumeist „Böttchers Moor“, nach der Melchiorshauser Hofstelle Nr. 1 (Bötjer) benannt, heute von der Familie Röpke an der Böttcherei bewohnt. Manchmal auch „Esdohrs Moor“ nach einem Anwesen auf der Lahauser Seite oder einfach nur „Leester Moor“.

Unzählige Kinder und Erwachsene der Umgebung lernten hier das Schwimmen, liefen im Winter Schlittschuh oder wanderten am Ufer des größten Schlatts dieser Region entlang. Schon lange ist es eines der wenigen Landschaftsschutzgebiete unserer Gemeinde. Baden ist dort nicht mehr erlaubt. Für Badefreudige gibt es inzwischen ein großzügig angelegtes Freibad.

Ältere Karten unseres Gemeindegebietes machen deutlich, wie viele Tümpel, Schlatts oder Moorflächen noch vor 200 Jahren vorhanden waren. Allein im Dreieck Melchiorshausen/Leeste/Lahausen existierten 1773 noch rund 10 Gewässer dieser Art. Die kleineren Tümpel waren in den vergangenen Jahren häufig willkommene Schuttabladestellen. Teilweise ist den heutigen Landwirten gar nicht mehr bewusst, dass sie auf früheren Schlatts ackern.

Seit über 40 Jahren hat die Grundwasserabsenkung, verursacht durch Trinkwasserförderung, Flurbereinigung oder Bachbegradigungen, zur Austrocknung vieler Feuchtgebiete geführt.

Eines der wenigen noch intakten Seen ist auch das „Otten-Moor“ in Melchiorshausen, zwischen Kuhweg und Heideweg. Seinen Namen erhielt es vom „Otten-Hof“ (Johann Lange), der in der Nähe liegt. Das „Böttchers Moor“ hat ebenfalls rund einen Meter an Wassertiefe verloren und nach Trockenperioden fallen weite Seeflächen trocken. Inzwischen haben Gemeinde, Umweltschutzgruppen und die Stiftung Naturschutz des Landkreises geplant, das Böttchers Moor behutsam zu entschlammen. Im Herbst 2012 sollen die Arbeiten beginnen. Ähnliche Maßnahmen haben beim Rieder-,Kirchweyher See und Lahauser Moor schon deren Bestand gesichert.

Foto von 1932 (v.li.): Heinz Grahn, Hermann Meyer, unbekannt, Heinz Nienstedt, Heinrich Landsberg, Marga Wolters und Anni Andermann.

Der Leester Lehrer Kurt Borchert gab am Böttchers Moor auch Schwimmunterricht. Auf dem Foto von 1932 (v.li.): Heinz Grahn, Hermann Meyer, unbekannt, Heinz Nienstedt, Heinrich Landsberg, Marga Wolters und Anni Andermann.

Etwa 100 Meter südlich vom Böttchers Moor findet man das „Kleine Moor“. Vor Jahrzehnten wurde es mit Müll verfüllt, so wie es in der Nachkriegszeit „üblich“ war. Es konnte auch wieder renaturiert und in den Landschaftsschutzbereich einbezogen werden.

Einweihung des Holzstegs im September 2009.

2009 errichtete die Gemeinde mit Förderung der Stiftung Naturschutz einen hölzernen Steg an der westlichen Seite des Moores. Dort können Besucher einen Blick über die große Wasserfläche werfen. Außerdem besteht hier die Möglichkeit, mit dem Boot anzulegen, wenn Wasserproben genommen werden.

Der NABU hat an der Straße „Böttcherei“, unweit des Sees, sein Vereinsheim und benannte es nach dem 1995 verstorbenen Weyher Gemeindedirektor Dr. Dietrich Schütte. Ein hier angelegter Baum- und Naturlehrpfad wird häufig von Schulklassen und anderen Gruppen aufgesucht.

Man erreicht das Große Moor nur zu Fuß und mit dem Fahrrad vom Moorweg aus oder über einen schmalen Weg, der von der Rumpsfelder Heide abgeht. Dabei sollte man auf den Wegen bleiben, das Gewässer mit seinen Randzonen gehört jetzt der Natur.

Foto-Impressionen aus dem Böttchers Moor

Fotos (außer Aufnahme von 1932): Wilfried Meyer

 

Über den Autor

Wilfried Meyer

Wilfried Meyer widmet sich seit 1977 in seiner Freizeit der Weyher Ortsgeschichte und ist seitdem ehrenamtlicher Archivar. Neben seinen zahlreichen Diavorträgen veröffentlichte er Artikel in der regionalen Presse und verfasste mehrere historische Bildbände, die er selbst gestaltet und über einen eigenen Verlag vertreibt. Themen sind: Umwelt, Hache, Luftbilder, Baudenkmalpflege, Eisenbahn und Weyher Ortsgeschichte.

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Ein Kommentar

  1. Sam (10. Juni 2014)

    Hallo, ich würde gerne wissen wo ich Angelkarten für diesen See erwerben kann und was diese Kosten.

    Mit freundlichen Grüßen Sam

Kommentare


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